Die Wüstenetappen

      1 Kommentar zu Die Wüstenetappen

Wir sind wieder in der Zivilisation, dank einer geklauten Sim-Karte (dazu später mehr) habe ich wieder Internet. Dieses geht mal schlecht und machmal gar nicht. Ich werde daher den Bericht über die Wüstenetappen in mehreren Schritten hier einstellen und öfter ergänzen. (Jetzt bin ich bereits in Gambia und kann sagen, dass das Bearbeiten der Webseite gar nicht möglich war.)

Der erste Tag begann in der Raststätte Barbas. Nach einem kurzen Frühstück sammelten sich langsam alle Teams für den Start Richtung marokanische Grenze.
An der Grenze angekommen ging alles recht schnell. Ein Ausreisestempel für mich und einen für mein Auto. Dann stand ich schon im Niemandsland.
Ein Großteil der Straße zur Grenze nach Mauretanien ist bereits asphaltiert. Nur das letzte Stück wechselt sich noch Fels und Wüste ab.

An der mauretanischen Grenze angekommen, begann das große Warten. Jeder Rallyeteilnehmer brauchte ein biometrisches Visum.
Aber auch Einheimische wollten nach Mauretanien einreisen. Und mit Hilfe von einigen Geldscheinen gingen die Grenzformalitäten für die Einheimischen anfangs viel schneller voran.
Erst als unsere mauretanischen Führer (möglicherweise auch mit ein paar Geldscheinen) inervenierten, änderte sich das und dann ging es auch bei uns wesentlich schneller voran.
Nach der Einreise fuhren wir noch auf unseren Rastplatz. Dort gab es für den einen Teil leckeres Dosenessen, für den Rest vegane Ravioli aus der Dose.

Am zweiten Tag waren nocheinmal 120 Kilometer maurische Landstraße zurückzulegen. Dann bogen wir endlich in die Wüste ab. Dort gab es ein Briefing durch die Orgs und anschließend eine ausgedehnte Mittagspause.
Als diese endlich vorbei war, ging es los. Der Golf lief. Einsandefrei! Ohne große Schäden überstand ich den ersten Tag. Der Golf verlor lediglich ein Stück der Heckstoßstange und Teile der vorderen Radhausschalen.

Am Nachtlager angekommen, begann Martin, unser veganer Koch, sofort mit der Zubereitung des Abendessens. Es gab Pizza. Sie war lecker!

Nach dem einen und anderen Getränk begann bei mir die Nachtruhe. Andere Reiseguppenteile beendeten den Tag den Erzählungen nach viel später.

In der Nacht begann es zu Regnen. Auch Blitz und Donner waren zu sehen und zu hören.
Auch am Morgen gab es noch Regenschauer und Gewitter. Selbst das Frühstück wurde vom Regen unterbrochen.

Nach dem Frühstück starteten wir unsere nächste Wüstenetappe. Nachdem die 3 PKWs ohne Wüstenführer aus unserer Reisegruppe bereits als Raser abgestempelt waren, hieß es auch heute Gaspedal wenn möglich immer ordentlich durchtreten.
Einige Zeit ging dies richtig gut. Nach mehreren etwas größeren Bodenwellen, in denen der Golf immer recht hart aufsetzte (oder besser: einschlug), ging plötzlich und völlig unerwartet die Ölkontrollleuchte an. „Nicht gut“ (oder so was ähnliches) dachte ich, ließ den Golf ausrollen und machte den Motor aus.
Hinter dem Golf befand sich jetzt eine schwarze Spur im Sand.
Wahrscheinlich die Ölwanne mutmaßten die ankommenden Rallyeteilnehmer. Zur genaueren Schadensbeurteilung wurde ich ersteinmal von Torsten an die Abschleppöse genommen. Auf festem Untergrund angekommen wurde sofort eine VW-Vertragswerkstatt eingerichtet und der Golf mit Hilfe einer Hebebühne (oder etwas ähnlichem) angehoben.

Robert, unser VW-Kfz-Mechanikermeister, und ein weiterer Kfz-Meister aus dem Feuerwehr-Team machten sich sogleich ans Werk.
Und da eine Ölwannenreparatur mitten in der Wüste für sich eine etwas langweilige Geschichte wäre, begann es zu Regnen.

Auch einige Blitze zuckten hier und da und tiefes Donnergrollen war zu vernehmen. Was sollte jetzt noch schiefgehen?
Eine große Plane wurde über den Golf und das Mechanikerteam gespannt. Auch ein dutzend Fotographen blieben mit unter der Plane und dokumentierten die Arbeit der Mechaniker.

Nach der Demontage des Ölwannenschutzes offenbarte sich das ganze Ausmaß des Schadens. Die Ölwanne hatte ein Loch. Also wurde auch diese erstmal abgeschraubt.

Nachdem die Ölwanne ab war, beschloss das Mechaniker-Team die Wanne zu flicken. Mit Spezialknetmasse, einem Stück Kurzzeitkennzeichen und zwei selbstschneidenden Schrauben. Ein richtig guter Plan, wenn er funktioniert!


Die Knetmasse wurde in das Loch gerückt und das zurecht geschnittene Nummernschildstück mit Hilfe der beiden Schrauben vom innen dagegen gepreßt.

Um eine ordentliche Show abzuliefern startete Torsten jetzt noch sein Notstromaggregat, schloss seinen Winkelschleifer daran an und flexte die überstehenden Schrauben ab.
Für die Schönheit wurde danach nochmal alles mit der Knete abgedeckt.


Nach einer kurzen Aushärtepause wurde die Ölwanne und der Ölwannenschutz wieder montiert.
Bei einem Kilometerstand von 569.500 erhielt der Golf anschließend nach seinem Turbo-Schaden vor 55.000 Kilometern jetzt seinen zweiten ungeplanten Ölwechsel.
Die bis heute andauernde Testphase (also bis Noakchot) verlief ohne Beanstandungen.
Ursache für das Loch war wahrscheinlich ein Stein, der zwischen dem Ölwannenschutz und der Ölwanne klemmte. Dieser hat sich dann wohl bei einem der harten Aufsetzer in die Ölwanne gebohrt.
Obwohl ich die zügige Fahrweise als Ursache für den Schaden ausschloss, bewegte ich den Golf bis zum Ende des Tages etwas weniger flott durch die Wüste.
Am Abend gab es wieder lecker Essen (ich habe vergessen was) und einige Kaltgetränke.

Der nächste Tag läßt sich sehr einfach zusammen fassen. Viel Sand, viel Spaß, keine Schäden, keine Einsandungen und abends Kartoffelsuppe.

Am fünften Tag folgte der erste Teil der Strandfahrt.
Durch den Regen der Vortage war die geplante Piste zur Strandauffahrt allerdings unbefahrbar und wir mussten nach einer ausgedehnten Mittags- und Beratungspause über die Straße zur Strandauffahrt. Um den Strand zu erreichen, muss hier eine Sanddüne bewältigt werden. Auch dies schaffte ich ohne Einsandung.

Die Fahrt am Strand war wieder toll. Ich versuchte aus Gründen auf Wasserkontakt zu verzichten. Ganz schaffte ich es allerdings nicht.

Bei einigen Fischern, die gerade wieder anlandeten, versuchte ich auch wieder Fisch zu kaufen. Doch meine alten Ougura (die Landeswährung) von 2016 wollte keiner haben und neue Scheine hatte ich noch nicht. (Hier gab es während meiner 3jährigen Abwesentheit eine Währungsreform)

Das Nachtlager wurde direkt am Strand aufgeschlagen. Um den Kontakt mit Meerwasser zu vermeiden, wählte ich sicherheitshalber einen etwas erhöhten Stellplatz auf einer der Dünen.

Den nächsten Tag verbrachten wir zu einem großen Teil mit dem Warten auf die nächste Ebbe.

Diese sollte so gegen 15.00Uhr eintreffen. Für afrikanische Verhältnisse fast pünktlich, konnten wir gegen 15.30Uhr zu unserer 2.Strandetappe starten. Ich fuhr dieses Stück des Strandes sehr vorsichtig. Hierdurch ging leider auch etwas der Spaß verloren. Erst bei der Strandabfahrt (wieder über eine Düne) schaltete ich auf Torstens anraten wieder auf Spaß um. Er sagte was von Vollgas und das habe ich perfekt umgesetzt. Eine kleine Schramme an der Frontstoßstange war die Folge.

Nachdem alle den Strand verlassen hatten, hieß es sammeln und Luft aufpumpen. Die von allen Teams mitgebrachten Pumpen liefen auf Hochtouren und einige davon auch bis zum bitteren Ende.

Vor uns lag jetzt noch der Weg nach Noakchot. Auf dem dortigen Campingplatz direkt am Meer kamen wir im Dunklen an. Wer schnell war, sicherte sich eines der Zelte direkt am Strand. Da ich bisher sehr gut im Auto geschlafen hatte, beschoss ich, auch die nächsten beiden Nächte noch im Auto zu schlafen und sparte mir so die Schlepperei der Schlafuntensilien zum Zelt.

Hier enden die Wüstenetappen, die ich dieses Mal ohne Einsandungen schaffte. Und der kleine Zwischenfall mit der Ölwanne läßt sich noch toppen. Dazu aber später mehr. Als nächstes kommt erst einmal der Ruhetag mit der geklauten Sim-Karte… (Wie bereits ganz oben geschrieben, bin ich bereits einige Tage in Gambia und habe in dieser Zeit schon wieder sehr viel erlebt.)

One thought on “Die Wüstenetappen

  1. Marlene Welker

    Super Fotos und prima Wüstentour -Beschreibung . Man kann nicht aufhören zu lesen.
    Die Ereignisse zu den coolen Kommentaren , einfach Klasse. Das mit dem improvisieren -,,Ossis“ können eben ALLES!!!
    Die Pizza sah sehr leger aus.

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